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Ein Schüler greift nach den Sternen

In der Schulpause verkaufte er Waffeln und Würstchen für den guten Zweck. Dann bedankte sich Karlheinz Böhm persönlich bei Jan Philipp Weyl für sein Engagement für Äthiopien und lud ihn ein, das bis dahin fremde Land zu besuchen. Seitdem lässt Äthiopien den 25-Jährigen nicht mehr los. Sein nächstes Projekt: Ein Spielfilm mit Protagonisten aus dem Dorf für das er einst eine Schule finanzieren ließ.

 

 

Kinder des äthiopischen Dorfs Ganda Abti im Südosten des Landes posieren vor der Kamera. So ein schwarzes Ding haben sie noch nie gesehen. Als der Fotograf zwei Achtjährigen ihr Abbild zeigt, hüpfen sie vor Freude: Erkannt haben sie zunächst den jeweiligen Freund - erst dann wurde ihnen klar, dass der andere auf dem Bild das eigene Abbild ist.

 

Das war 2005 und der Moment, der Jan Philipp Weyl nicht mehr losgelassen hat, seit er als 18 Jahre alter Krefelder Schüler nach Äthiopien aufgebrochen war. Und es ist eine Szene, die so auch in seinem ersten Spielfilm "Emra und Dabo" eine Schlüsselsequenz sein soll. 

 

Waffeln und Würstchen in der Pause

 

Inzwischen ist Jan Philipp Weyl 25 Jahre alt. Für Äthiopien, das ferne Land im Nordosten Afrikas, dreimal so groß wie Deutschland und gebeutelt von Hungersnöten, politischen Repressionen und Bürgerkrieg, engagiert sich der angehende Student der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen schon seit zehn Jahren.

 

Mit 15 Jahren baut der Schüler mit seinem besten Freund einen Verkaufsstand für Waffeln und Würstchen während der Pause in seinem Gymnasium am Moltkeplatz auf. Drei Jahre später hat er 20.000 Euro zusammen, die er "Menschen für Menschen", der Hilfsorganisation für Äthiopien von Karlheinz Böhm überweist. Der bedankt sich persönlich in der Schule und lädt Jan Philipp Weyl ein, das Land doch einmal kennenzulernen.

 

Eine Schule für Ganda Abti

 

In den Schulferien bricht dieser auf - zwölf Tage Äthiopien im Schnelldurchlauf: Er fährt nach Addis Abeba, der Hauptstadt des Landes, und ins Dorf Ganda Abti. 100 Lehmhütten, kein fließend Wasser, kein elektrischer Strom. Die Kinder, die er damals fotografierte, besuchten eine Schule mit vier Klassen und je 100 Schülern, die jüngsten vorne, die ältesten hinten. Effizienter Unterricht war da kaum möglich. Zurück in Krefeld verwirklichte Jan Philipp Weyl deshalb seinen nächsten Plan: Einen Anbau für die Schule, 50.000 Euro brauchte er dazu.

 

Der Schüler gründet den Verein "Moltke für Afrika", sammelt Spendengelder. Und träumt bereits den nächsten Traum: Er will einen Film machen über die Kinder des Dorfes Ganda Abti. Einen Film über dieBegeisterung, Neues zu entdecken und den Versuch, sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen.Ein Film, der anderen die Augen öffnen soll, für das Land mit seinen knapp 90 Millionen Einwohnern. Ein Film, der in den Kinos laufen soll.

 

Straßenkinder in Addis Abeba

 

Jan Philipp Weyl bricht erneut auf nach Äthiopien, will sieben Wochen reisen. Er bleibt neun Monate. Lebt mit Straßenkindern in Addis Abeba, sammelt mit ihnen Müll und ernährt sich aus dem, was diereiche Oberschicht übrigl.sst. Er trainiert mit Marathonläufern, lernt die offizielle Sprache Amharischund begegnet der Liebe seines Lebens.

 

"Ich greife nach den Sternen", sagt der inzwischen in München lebende angehende Student derHochschule für Film und Fernsehen gerne über sich. Doch nach und nach gehen seine Träume inErfüllung. Die Schule steht, 65.000 Euro hat er für sie über die Jahre zusammenbekommen. DieDreharbeiten in Ganda Abti starten im September. In der Hauptrolle: die beiden Jungs, die Jan PhilippWeyl seit inzwischen sieben Jahren nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

(Isabella Kroth)

 

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